Traumabezogene Musik- und Spieltherapie
für sexuell missbrauchte Mädchen

In der Therapie wird die kindliche Fähigkeit für freies Spielen genutzt, um Mädchen den Raum zu eröffnen, über symbolische Ausdrucksweisen darzustellen, was sie beschäftigt, wie sie sich fühlen und wie sie sich selbst wahrnehmen. Als therapeutische Arbeitsmittel werden Spielmaterialien wie Handpuppen, Kuscheltiere, Farben, Puppenhaus, Decken, Kissen, Tücher, Seile u.ä. verwendet, ebenso wie Musikinstrumente. In der Anfangsphase steht der Beziehungsaufbau im Mittelpunkt, da eine gute, haltgebende, vertrauensvolle Beziehung die Basis eine gelingende Therapie ist. Das Kennenlernen der Mädchen in ihrer gesamten Persönlichkeit, insbesondere auch ihrer Stärken liegt im Fokus, nicht ausschließlich die erlebte sexuelle Gewalt. Die Mädchen werden sowohl mit all ihren Sorgen und Nöten als auch mit ihren stabilisierenden, haltgebenden Lebensfaktoren wahrgenommen. Im therapeutischen Prozess können belastende und traumatische Erlebnisse auf spielerischer Ebene verstanden und korrigierende, heilende Erfahrungen gemacht werden. Erlebte Grenzverletzungen können verarbeitet werden, indem in der „Jetzt-Erfahrung des Spiels“ die eigenen Gefühle von Angst, Ekel, Verwirrung, Schuld, Scham und Ohnmacht wahrgenommen und verstanden werden. Fürsorgliches Nachversorgen und das Entwickeln neuer Impulse für Schutz und die eigene Sicherheit können im Spiel entwickelt, ausprobiert und geübt werden.

"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist, zu schweigen" Victor Hugo

Musiktherapeutische Interventionen können auf besondere Art bei der Verarbeitung der durch die erlebte sexuelle Gewalt entstandenen Gefühle helfen. Im geschützten, sicheren Spiel-Raum, im Wechselspiel zwischen Zuhören und Spielen, Hören und Gehörtwerden, erleben Mädchen, auch ohne Worte verstanden zu werden. Die Vielfalt der eigenen Gefühle zu spüren und musikalisch auszudrücken – frei von Bewertung oder Leistungsansprüchen – ermöglicht es, Vertrauen in die eigene Wahrnehmung wiederzufinden und in Kontakt mit den eigenen Stärken zu kommen. Mit der großen lauten Tischtrommel finden Gefühle von Macht, Kraft, Wut und Durchsetzungsvermögen ihren Ausdruck. Mit anderen, zarteren oder leiseren, kreischenden oder schrillenden Instrumenten, lassen sich  Gefühle von Scham und Angst, Unbehagen oder Ekel symbolisieren. Die Musikinstrumente regen auf ihre ganz eigene Art zum aktiven Musikmachen an und können sowohl musikalische als auch andere kreative spielerische Prozesse in Gang bringen. So lädt zum Beispiel die große Klangwiege gerne dazu ein, in szenischen Spielen integriert zu werden. In der einen Situation stellt sie vielleicht ein Schiff im Sturm dar, in einer anderen wiederum, umgekehrt auf dem Boden liegend, eine Höhle zum Verkriechen. Wildwasser und FrauenNotruf kann derzeit im Jahr vier bis sechs Therapieplätze für sexuell missbrauchte Mädchen anbieten. Das Angebot ist kostenfrei. 

Wir danken der Stiftung Hänsel und Gretel für die Startfinanzierung und weitere projektbezogene Spenden zur Unterstützung der musiktherapeutischen Arbeit mit Mädchen, die sexuelle Gewalt erlebt haben.